1St. Benedikt Glocke
St.-Pius-Glocke
Johannesglocke    
 



 

Zelebration ohne Ministranten?

"Dem Zelebranten schreitet ein Ministrant voran, denn es ist geziemender, daß er, da er mit den heiligen Gewändern bekleidet ist, nicht ganz allein gehe: und er benötigt einen Ministranten, weil die Kirche ihm verbietet, die Messe alleine zu lesen"
(Konzil von Mainz im Jahre 813, Konzil von Paris im Jahre 829 ...)
"Die Konzilien verlangen, das zumindest eine Person bei ihm sei, die das Volk vertritt, welches zusammen mit dem Priester die Versammlung bildet. Die Messe ist in der Tat dasjenige, was man im Altertum die Synaxis, d.h. die Versammlung, genannt hat."(Le Brun, Pretre de l'Oratoire: "Explication littérale, historique et dogmatique des prières et des cérémonies de la Messe", Ausgabe Paris 1850, Bd. 1, S.84)

Was bedeutet dieser überlieferte Text für die Zelebration der Missa Tridentina heute? Dazu einige Erwägungen: 

     
 

Weitere grundlegende Zitate

"Auch das verdient noch beiläufig hier erwähnt zu werden, daß nicht der Priester allein es ist, der da am Altare spricht und handelt, sondern mit ihm und nach ihm alles Volk, und der Priester steht am Altare eingentlich an Jesus statt als Mittler zwischen Gott und dem Volke. Hievon überzeugt uns schon der Inhalt und die Form aller Gebete im heil. Meßopfer, davon belehrt uns auch der öftere Zuruf des Priesters an die Anwesenden 'Dominus vobiscum', d.h. 'der Herr sei mit euch'; das Aufstehen der Gläubigen bei der Lesung des Evangeliums, ihr Antworten auf des Priesters Bitten u.s.w.; am sinnvollsten aber der anwesende Altardiener, der ja nur in des Volkes Namen redet und handelt." (Joseph Marzohl, Pfarrer Bürgerspital zum Hl. Geist Luzern und Joseph Schneller, Stadtarchivar Luzern: "Liturgia sacra oder die Gebräuche und Alterthümer der kath. Kirche", Luzern 1846, Bd. 2, S.209)
"Die Natur der hl. Messe bringt es mit sich, daß dem Celebranten auch Diener assistieren. Es wird auf dem Altare hin und her getragen, ein- und ausgeschüttet, zuletzt sogar wie bey einer Mahlzeit gegessen und getrunken: soll alles dieses mit Anstand geschehen, so muß der Geistliche Gehilfen und Assistenten haben."(Franz Xaver Schmid: "Kultus der christkatholischen Kirche", Passau 1841, Bd. 2,, S. 93) "Christkatholische Kirche" bedeutet hier "römisch-katholische Kirche"
"Unsere Ministranten (Meß- oder Altardiener) versehen eigentlich die wichtigen Funktionen der niedern Cleriker: sie handeln und sprechen (respondiren) im Namen des gläubigen Volkes." (Nikolaus Gihr, Subregens am erzbischöfl. Priesterseminar zu St. Peter, "Das heilige Meßopfer dogmatisch, liturgisch und ascetisch erklärt", Freiburg 1897, S. 317 f.)
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Sind beim hl. Meßopfer Ministranten überhaupt kirchlich vorgeschrieben und daher notwendig?

"Ohne gerechten und vernünftigen Grund darf der Priester das eucharistische Opfer nicht ohne Teilnahme wenigstens irgendeines Gläubigen feiern." (Can. 906)
Zwar wurde die Bestimmung des alten CIC (1917), der in Can. 813, § 1 bestimmte: "Der Priester feiere die Messe nicht ohne einen Ministranten, der ihm diene und antworte", nicht in den jetzigen CIC übernommen; indessen ist im jetzt gültigen Missale des überlieferten römischen Ritus ("forma extraordinaria") nach wie vor ein Ministrant vorgesehen (siehe den "Ritus servandus" des Missale). Das aber bedeutet, daß die jetzt gültigen Rubriken des (überlieferten) Missale einen Ministranten vorschreiben. M.a.W.: Der Ministrant ist keineswegs fakultativ, sondern laut kirchlichem (in diesem Falle liturgischem) Gesetz verpflichtend.
Daß die Rubriken des Missale durchaus einen (auch moralisch) bindenden Charakter haben, erhellt aus den folgenden Bemerkungen des hl. Alfons v. Liguori:
"Es frägt sich, ob alle Rubriken des Missale verpflichtend (praeceptivae), oder einige davon nur anleitend (directivae), oder anrathend seien? Hierüber sind die Meinungen verschieden; wir folgen aber der Meinung von Merati und Tournely, welche sagen, die Rubriken in Bezug auf das, was während der Messe zu beobachten ist, seien alle verpflichtend, und verpflichten je nach der Wichtigkeit der Materie, denn in der Bulle vom hl. Pius heißt es: Wir befehlen strenge, daß die hl. Messe nach dem Ritus, der Weise und Vorschrift, wie sie im Missale enthalten ist, gesungen und gelesen werde."
(Alfons Maria von Liguori, "Praktische Anweisungen für Beichtväter", Regensburg 1854, Bd. 3, S. 368).

     
 

Redemptionis Sacramentum

Auch auf den (willkürlichen) Verzicht auf einen Ministranten sind die ernsten Worte anwendbar, die die Gottesdienstkongregation gefunden hat:
"Mißbräuche haben ihre Wurzel nicht selten in einem falschen Begriff von Freiheit. Gott hat uns in Christus aber nicht jene illusorische Freiheit gewährt, in der wir machen, was wir wollen, sondern die Freiheit, in der wir tun können, was würdig und recht ist. Dies gilt gewiß nicht nur für jene Vorschriften, die unmittelbar von Gott kommen, sondern auch für jene Gesetze, die von der Kirche promulgiert worden sind, wenn man das Wesen einer jeden Norm entsprechend berücksichtigt. Daher müssen sich alle nach den Anordnungen der rechtmäßigen kirchlichen Autorität richten." (Instruktion "Redemptionis Sacramentum", 2004, Nr. 7)

     
 

Moraltheologie und Kanonistik

Aufgrund der oben anegführten Rechtslage gilt nach wie vor folgende Ausführungen älterer Autoren (es werden lediglich drei Autoren angeführt, da eigentlich alle Autoren dasselbe sagen):
"Der Priester darf nicht zelebrieren, ohne einen Ministranten, der ihn bedient und ihm antwortet. In Ermangelung eines männlichen Ministranten darf aus gerechtem Grund auch eine Frau ministrieren, sie darf aber keinesfalls an den Altar hintreten und muß von ihrem Platz aus (ex longinquo) dem Zelebranten antworten."
(Franz Adam Göpfert, Moralprofessor an der Universität Würzburg, "Moraltheolgie", Paderborn 1924, Bd. 3, S. 128)
"Der Priester darf die Messe nicht lesen ohne Meßdiener, der ihm dabei dient und im Namen der mitfeiernden Gemeinde antwortet. Zu einer Privatmesse darf nur ein Ministrant genommen werden, sonst zwei oder mehrere. Eine weibliche Person darf nicht als Meßdiener herangezogen werden, wenn nicht in Ermangelung einer männlichen Person ein gerechter Grund dazu gegeben ist; sie darf nur von ferne die Antworten geben und in keiner Weise an den Altar herantreten."
(Prof. Eduard Eichman, München, Prof. Klaus Mörsdorf, München, "Lehrbuch des Kirchenrechts", Paderborn 1950, Bd. 2, S. 47)
Der Autor Friedrich Supp stellt zunächst einen (Moral-) Kasus dar, den er dann löst:
"118. Cas. Der Kaplan Philippus kommt an einem Festtage in eine Kirche, um das heilige Opfer darzubringen, und hört nun, daß der Ministrant plötzlich von einer Krankheit befallen, und Niemand anders anwesend sei, welcher respondieren kann; deshalb respondiert er sich selbst und bedient sich selbst nun bei der heiligen Messe, damit doch die Filialisten nicht ohne heilige Messe seien. Ist dies erlaubt? Obwohl es an und für sich untersagt ist, ohne Altardiener zu zelebrieren, so ist doch Philippus nach der wahrscheinlicheren Meinung frei von Schuld für diesen Fall (Cf. Bened. XIV., de Sacrif. Mss. lib. 3. c. 7. n. 3). Doch aber hätte er besser getan, wenn er von den Umstehenden jemand auserlesen hätte, um ihm am Altare den Wein hinzureichen und das Wasser, und besonders ihn beim Händewaschen bedient hätte."
(F. Supp, Pfr. Kappel, vorm. Regens  Priesterseminar Rottenburg, "Kasuistik in u.außer dem Beichtstuhle", Mainz 1856, Bd. 2, S. 45)


     

Wann darf auf einen Ministranten  verzichtet werden?


"Der Priester soll nicht ohne Ministranten zelebrieren, wenn dieser vielleicht auch nicht respondieren kann, falls er nicht durch einen entsprechend schwerwiegenden Grund entschuldigt ist."
Die Instruktion SCSacr. vom 1.10.1949 führt vier Entschuldigungsgründe an:
- um die Wegzehrung spenden zu können;
- um zu ermöglichen, die Messe am gebotenen Tag zu hören;
- zur Zeit einer Pestseuche, wenn ein Ministrant nicht zu finden ist und der Priester sich sonst lange Zeit der Zelebration enthalten müßte;
- wenn der Ministrant sich entfernt, nachdem die Messe bereits begonnen hat; cfr. AAS 41 (1949) 506-508.
Die genannten Fälle beleuchten sehr gut die allgemeinen Prinzipien zur Beobachtung kirchlicher Gesetze; indes, wie zu Recht F. M. Capello SJ anmerkt: 'Diese Aufzählung ist nicht exklusiv; denn außer den genannten Fällen lassen sich in der Praxis auch noch andere finden' (Periodica 38, 1949, 420).
Nachdem jene Instruktion erschienen war, enstand eine Kontroverse (über die Frage), ob es schon ein erlaubter Grund sei, auf den Minitranten zu verzichten, wenn man 'lediglich aus Andacht' zelebriert. Die bejahende Ansicht erscheint als wahrscheinlicher."
(Alphonsus van Kol SJ, "Theologia Moralis", Freiburg 1968, Bd. 2, S. 115)

     
 

Wie wird ohne Ministrant zelebriert?

"Muß der Priester ohne jeden Diener oder Respondenten die hl. Messe lesen, so respondiert er sich selbst, betet aber das Confiteor nur einmal, und zwar mit Auslassung der obigen Worte vobis fratres, vos fratres (C.R. n. 3368 ad 1). Nach dem Confiteor sagt er wie im Offizium Misereatur nostri usw. Im Suscipiat betet er: de manibus meis."
(G. Kieffer, "Rubrizistik oder Ritus des katholischen Gottesdienstes", Paderborn 1928, S.144)
Notbene: Der Priester sagt, wenn er ganz allein zelebriert, sehr wohl "Dominus vobiscum". Dies hat seinen Sinn: Sowohl Kardinal Lambertini, der spätere Papst Benedikt XIV. (in "De Sacosancto Sacrifico Missae", als auch Kardinal Bona ("De rebus liturgicis") führen aus, daß das "Dominus vobiscum", daß der Piester ganz allein, ohne Ministrant, ausspricht, der ganzen Kirche gilt.
Im übrigen verrichtet der Priester alle Aufgaben des Ministranten mit, also den Wechsel des Buches, die Händewaschung etc..

 



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